Sie sind eine unabdingbare Ressource und spielen eine entscheidende Rolle nicht nur im Kampf gegen die Pandemie, wie es diese letzten Jahre gezeigt haben, sondern auch für ein zukunftsfähiges Gesundheitswesen, das allen – und dabei vor allem gesundheitlich und sozial besonders bedürftigen Personen – eine wohnortnahe Versorgung gewährleistet.

Dies war – in aller Kürze – die Position zur Rolle der Krankenpfleger, die in allen Wortmeldungen von Vertretern der Institutionen und von Parlamentariern am letzten Tag des in Rom stattgefundenen Wanderkongresses 2021 des nationalen Dachverbandes der Kammern der Krankenpflegeberufe hervorgehoben wurde. Der Dachverband vertritt alle 456.000 Krankenpfleger Italiens, und zum ersten Mal in der Geschichte wurde der diesjährige Kongress nicht an einem einzigen Ort ausgetragen, sondern es waren die Vertreter des Dachverbandes, die – auch unter Einhaltung der Corona-Sicherheitsmaßnahmen und des Verbots von Menschenansammlungen – in die einzelnen Regionen zum jeweiligen Sitz der Landesberufskammern kamen. Dies sollte ein Zeichen der Nähe zu den Menschen sein, deren Versorgung ja das erste Ziel der Krankenpflege darstellt.

„Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger waren stets an vorderster Front, und dafür möchte ich Ihnen allen in meiner Funktion als Minister sowie als einfacher Bürger ganz herzlich danken!“, Mit diesen Worten hat der italienische Gesundheitsminister Roberto Speranza beim Kongress die Arbeit der Krankenpfleger gewürdigt. Gleichzeitig hat er unterstrichen, dass die in der Pandemiebekämpfung erzielten Ergebnisse der Beweis für die hohe Qualität des italienischen Gesundheitswesens sind, obwohl natürlich zusätzliche Ressourcen und Reformen notwendig sind, damit das Gesundheitswesen weiter wachsen kann.

Ferner hat der Minister daran erinnert, dass bereits erhebliche Geldmittel zur Verfügung gestellt wurden und die Politik der Ressourcenkürzungen der Vergangenheit angehört; Ausgaben für das Gesundheitswesen seien schließlich eine Investition in höhere Lebensqualität. Und trotzdem: Ressourcen sind zwar eine Grundvoraussetzung, doch reichen sie ohne damit einhergehende Reformen nicht aus. Es geht um die Qualität der Krankenpflege als Beruf der Zukunft: Die Krankenpfleger gewährleisten eine wohnortnahe Versorgung. Das bedeutet, dass nicht mehr die Bürger nach Dienstleistungen suchen müssen, sondern die Dienstleistungen zum Bürger kommen. Dies sei, so der Minister weiter, die Grundlage aller derzeit in Ausarbeitung befindlichen Versorgungsmodelle, und Krankenpfleger spielen dabei eine zentrale Rolle, sei es in der Hauskrankenpflege, den örtlichen Versorgungseinrichtungen oder den Gemeinschaftskrankenhäusern: Kern der Versorgung ist stets das Berufsbild des Krankenpflegers.

Mit Verweis auf die Worte der Präsidentin des Dachverbandes FNOPI betonte Minister Speranza, wie wichtig Zusammenarbeit ist, um bestmögliche Kompetenzen sowie Aus- und Fortbildung zu gewährleisten, eventuell auch durch neue Formen der Ausgabenplanung ohne festgelegte Obergrenzen. Gerade im Gesundheitswesen ist Planung von zentraler Bedeutung, und ohne die Einbindung der Fachkräfte des Gesundheitswesens ist Gesundheit nicht möglich und es lassen sich keine qualitativ hochwertigen Ergebnisse erzielen. Das aktuelle Wachstum des italienischen Bruttoinlandsproduktes ist weitgehend darauf zurückzuführen, dass das italienische Gesundheitswesen besser als andere die Krise zu meistern wusste, und diese Tatsache wird nun bei allen weiteren Entscheidungen berücksichtigt. Am Ende seines Referats hat der Gesundheitsminister Worte von Papst Franziskus aufgegriffen: Schlimmer als die Corona-Krise selbst sei nur die Gefahr, nichts daraus zu lernen.

Die Präsidentin des Dachverbandes FNOPI, Barbara Mangiacavalli, hat in ihrem Referat unterstrichen, wie wichtig ein engmaschiges ambulantes Angebot von Dienstleistungen im Gesundheitswesen als Voraussetzung für ein neues Versorgungsmodell ist: „Nur durch einen proaktiven Ansatz lässt sich die Gefahr der Entstehung, Akutisierung und Verschlechterung chronischer Erkrankungen verringern, und damit auch die Anzahl stationärer Aufnahmen, die in vielen Fällen unangemessen sind. Gerade Angemessenheit ist neben der Integration von Sozial- und Gesundheitswesen eine Grundvoraussetzung für individuelle Leistungen zugunsten von Einzelpersonen und ihren Familien. Dazu braucht es u.a. hochspezialisierte und gut ausgebildete medizinischen Fachkräfte mit angemessener Entlohnung und konkreten Karriereaussichten. Es ist wichtig, den Schwerpunkt auf besonders verletzliche Personen zu legen und diese Zielgruppe in den Mittelpunkt zu stellen. Genauso wichtig ist es aber auch, dass ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen, um die Vorgaben dieses neuen Modells konkret umzusetzen. Krankenpfleger spielen dabei eine zentrale Rolle als Schnittstelle zwischen den einzelnen Berufsbildern ebenso wie zwischen medizinischen Fachberufen und der Gesamtbevölkerung.“

„Natürlich müssen wir noch einige Schwierigkeiten überwinden,“ so Mangiacavalli weiter, „ z.B. den Personalmangel (der sich auch daran zeigt, dass in bestimmten Regionen keine Krankenpfleger mehr verfügbar sind), eine zeitgemäße Ausbildung, die Gleichstellung der Rechte und Pflichten und der Besonderheiten des Krankenpflegeberufes mit jenen anderer Berufsbilder, oder aber das Thema der Verantwortungsübernahme auch auf Führungsebene und schließlich das leidige Problem der Entlohnung, denn die italienischen Krankenpfleger gehören immer noch zu den schlechtbezahltesten Europas. Wir diskutieren derzeit intensiv mit den Institutionen und mit dem Parlament auf der Suche nach angemessenen kurz-, mittel- und langfristigen Lösungen. Unser Ziel ist es, dass Krankenpfleger bereits in nächster Zukunft nicht mehr Verantwortung übernehmen, als es derzeit bereits der Fall ist, sondern dass sie als Case Managers fungieren, um das reibungslose Abwicklung der stationären oder ambulanten Versorgung zu gewährleisten und dadurch sicherzustellen, dass die stationäre Versorgung in den Krankenhäusern Akutsituationen und schweren Fällen vorbehalten bleibt, während wohnortnahe Versorgung ambulant gewährleistet wird.“

„Dadurch“ – so Mangiacavalli am Ende ihrer Wortmeldung – „wird es uns gelingen, die Kooperationsbereitschaft der Patienten und die Unterstützung der Bürger zu verbessern, Wartelisten abzubauen und stationäre Aufnahmen (insbesondere unangemessene) zu verringern. Dadurch werden alle Fachkräfte – jeweils auf der Grundlage ihrer spezifischen Ausbildung – besser arbeiten. Gleichzeitig stellt dies auch für die Bürger einen Vorteil dar; sie werden effizienter und ohne Zweigleisigkeiten betreut und können dadurch auf ein Gesundheitssystem mit gut organisieren Leistungen ohne Engpässe sowie ohne unproduktive und dadurch unnütze Ausgaben zählen.“

UNTER DIESEM LINK FINDEN SIE DAS VIDEO DER REFERATE DER PRÄSIDENTIN MANGIACAVALLI UND DES GESUNDHEITSMINISTERS SPERANZA

„Die Grundprinzipien der Gesundheitsversorgung“, unterstreicht Silvio Brusaferro, der Präsident des Obersten Gesundheitsinstituts Istituto superiore di Sanità, „sind Vernetzung im Sinne eines ständigen Austauschs zwischen Gesundheits- und Sozialdiensten sowie der Gemeinschaft die tragenden Säulen des gesamten Gesundheitswesens.

Von besonderer Bedeutung sind chronische Erkrankungen ebenso wie eine bedarfsgerechte Versorgung durch die Integration zwischen Kolleginnen und Kollegen auch anderer Berufsgruppen und mit den Sozialdiensten. Und in puncto Stärkung der Professionalität sind Wissenschaftlichkeit (als Antwort auf Bedürfnisse) und Beziehung (im Sinne einer Beziehung zwischen Menschen, denen unsere Hilfe gilt) unabdingbar. All dies gelingt uns, wenn wir zum Wohle des Einzelnen und der Gemeinschaft zusammenarbeiten.“

Auch der Koordinator der Kommission für das Gesundheitswesen der Regionen und Regionalrat für das Gesundheitswesen der Emilia Romagna, Raffaele Donini, unterstrich die zentrale Rolle der Krankenpfleger: „Dass die Vertreter der Gesundheitsberufe und dabei in erster Linie die Krankenpfleger die tragende Säule des Gesundheitswesens sind, ist eine Tatsache, der wir durch Fakten und nicht nur Worte Rechnung tragen: Die Pflegedirektion ist Teil der allgemeinen Direktion unseres Gesundheitssystems, und die Familien- und Gemeinschaftspfleger sind den anderen Berufsbildern gleichgestellt. Was wir nun brauchen, sind erfahrene, hoch qualifizierte Krankenpfleger, die die Ausbildung der jungen Nachwuchskräfte gewährleisten.“

„Denn“ – so Donini abschließend – „es zählen die Taten und nicht nur schöne Worte, und ich bin davon überzeugt, dass gerade die Regionen eine aktive Rolle übernehmen können.“

Carlo della Rocca, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Medizinischen Fakultäten, ist in seinem Referat u.a. auf den Pflegenotstand eingegangen: „Es stimmt, dass wir mit einem dramatischen Pflegenotstand konfrontiert sind, aber ich kann Ihnen versichern, dass sich die Universitäten ihrer Aufgabe stellen. Die Anpassung der Ausbildung erfordert Zeit, doch dank einer guten Abstimmung mit dem staatlichen Gesundheitswesen und den Regionen haben wir heute die Möglichkeit, in die Professionalisierung qualifizierter Lehrkrankenpfleger zu investieren. Es ist eine Tatsache, dass zahlreiche Gesundheitsbetriebe bis dato nicht bereit waren, Fachkräfte auszubilden, die sofort nach ihrem Abschluss für die Betreuung von Corona-Patienten abgestellt werden. Natürlich muss die Organisation der Ausbildung klaren Vorgaben entsprechen, und hier arbeiten wir eng mit den zuständigen Ministerien zusammen, um maximale Ausbildungsqualität sicherzustellen.“

Mit dem Pflegenotstand hat sich auch Domenico Mantoan, Generaldirektor der Agentur für regionale Gesundheitsdienste Agenas, auseinandergesetzt: „Wir brauchen mindestens 17.130 Krankenpfleger für die Intensiv- und Subintensivstationen in den Krankenhäusern sowie 27.000-34.000 für die territoriale Versorgung, wobei bei der Planung auch die Tatsache mit berücksichtigt werden muss, dass zwischen 2021 und 2027 mehr als 36.000 Krankenpfleger in Rente gehen werden.“

Mantoan hob ferner die zentrale Rolle der Familien- und Gemeinschaftspfleger hervor, die „mit allen Bürgerinnen und Bürgern, gesunden ebenso wie kranken, arbeiten und bei der ambulanten Versorgung eine Schnittstellenfunktion einnehmen. Sie ermitteln in der Hausbetreuung den Pflegebedarf von Einzelpersonen und Familien und übernehmen die Organisation der verschiedenen Versorgungsleistungen. Darüber hinaus erbringen sie bereichsübergreifende Leistungen zur Gesundheitsförderung und –erziehung, sie sprechen sich mit den verschiedenen Sozial- und Gesundheitsberufen ab und sie gewährleisten die Bedarfserhebung sowie die anschließende Aktivierung formeller und informeller Ressourcen.“ Darüber hinaus hat Mantoan auch die beratende Rolle der Familien- und Gemeinschaftspfleger hervorgehoben, die außerdem die Pflegekontinuität in den stationären Einrichtungen des Sozial- und Gesundheitswesens überwachen und als Garanten dafür fungieren. Laut Berechnungen von Agenas braucht es je einen Familien- und Gemeinschaftskrankenpfleger pro 2.000-3.000 Einwohner, insgesamt also 20.000-30.000.

Mit großer Spannung wurde auch das Referat des außerordentlichen Kommissars zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, Francesco Paolo Figliuolo, erwartet (HIER FINDEN SIE DEN ENTSPRECHENDEN LINK): „Seit ich die Aufgabe des Sonderkommissars übernommen habe, konnte ich immer wieder erleben, wie Krankenpfleger in ganz Italien zum Wohle der gesamten Bevölkerung arbeiten, wie es auch der vielsagende Titel dieses Kongresses hervorhebt. Und nicht nur das: Immer wieder habe ich festgestellt, dass Krankenpfleger ihre Kompetenzen und ihr Wissen in den Dienst der kollektiven Gesundheit stellen, und dafür möchte ich Ihnen allen nicht in meiner Funktion als Sonderkommissar, sondern als einfacher italienischer Bürger danken: Sie sind eine unabdingbare, wertvolle Ressource für das Gesundheitswesen. Ihnen und all jenen, die mit Ihnen arbeiten, verdanken wir es, dass die Impfkampagne inzwischen zu fast 90% ihr Ziel erreicht hat, und auch bei der Verabreichung der dritten Dosis können wir auf Sie und Ihren Einsatz an vorderster Front zählen. Darüber hinaus haben wir nun auch mit den Kinderimpfungen begonnen, ein weiterer Meilenstein unserer Impfkampagne, und dabei ist Ihre Unterstützung wichtiger denn je. Und schließlich darf ich auch unterstreichen, dass ich bei meinen eigenen Impfungen Ihr Lächeln, Ihre Kompetenzen und Ihre Freundlichkeit persönlich schätzen durfte. Nun müssen wir auch all jenen die Möglichkeit zur Impfung bieten, die besonders gefährdet, bettlägerig oder bewegungsunfähig sind, und auch dabei darf ich Sie um Ihre wertvolle Hilfe bitten: Ich weiß, dass wir viel von Ihnen verlangen, aber ich weiß auch, dass wir auf Sie zählen können, wie das bisher immer der Fall war.“

Auch Roberto Fico, Präsident der italienischen Abgeordnetenkammer, hat sich in seinem Grußwort an alle Kongressteilnehmer gewendet (HIER FINDEN SIE DAS VIDEO SEINER GRUSSWORTE): „Die Bedeutung dieses Kongress geht weit über die konkreten Leistungen hinaus, die Sie Tag für Tag erbringen; er ist auch ein wichtiger Denkanstoß für die parlamentarische Debatte. Es muss uns gelingen, im gesamten Staatsgebiet dieselben Versorgungsstandards zu gewährleisten (im Sozial- wie auch im Gesundheitswesen), und dafür spielt der italienische Wiederaufbauplan PNRR eine entscheidende Rolle. Sie waren stets bereits, Ihre Aufgaben zu übernehmen, und dafür möchte ich Ihnen im Namen aller Bürger ganz herzlich danken.“

Danksagungen gab es auch von der Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati, die in ihrer Grußbotschaft unterstrichen hat, wie wichtig die Anerkennung der beruflichen Kompetenz der Krankenpfleger ist; man werde alles tun, um sicherzustellen, dass diese Anerkennung immer weiter ausgebaut wird.

Roberto Gualtieri, Bürgermeister von Rom und Gastgeber des Kongresses, hat sich ebenfalls bei den Krankenpflegern für ihre Arbeit bedankt  (UNTER DIESEM LINK FINDEN SIE DAS VIDEO SEINER GRUSSBOTSCHAFT): „Ich danke Ihnen allen für die harte, schwierige und äußerst wertvolle Arbeit, die Sie bei der Bekämpfung der Coronapandemie leisten: Ohne Ihre Hilfe hätten wir es nie geschafft! Sie sind eine unabdingbare Ressource für die gesamte Gemeinschaft, und dies auch in der Gestaltung neuer wohnortnaher Versorgungsleistungen als Antwort auf die Betreuungsbedürfnisse. Sie tun dies nicht nur in der und für die Pandemie, sondern u.a. für alle chronisch Kranken und besonders gefährdeten Personen. Dadurch leisten Sie einen unabdingbaren Beitrag zur Schaffung eines Gesundheitswesens, das immer stärker auf die Bedürfnisse der lokalen Gegebenheiten und der Bevölkerung zugeschnitten ist.“