Die Gewinner schreiben Geschichte.
Und in diesem langen Krieg gegen das Virus schreiben wir Pflegekräfte – 456.000 Fachkräfte an der Spitze des Landes – seit zwei Jahren jeden Tag die Geschichte des Nationalen Gesundheitsdienstes.
Wir haben Worte, Werte und Bilder ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, die von Selbstverleugnung, Ethik, Opferbereitschaft, Schutz, Nähe und Kompetenz sprechen.
Wir haben die Gleichgültigkeit derjenigen überwunden die unsere Rolle, unsere Universitätskarriere, unsere Spezialisierungen ignoriert haben.
Aber wir schreiben diese Geschichte nicht als Gewinner und es ist nicht unsere Schuld.
Auch wenn die ganze Welt die Pflege als den Motor, das Rückgrat, die Zukunft eines jeden modernen Gesundheits- und Sozialsystems, das sich als solches definieren will, anerkannt hat. Auch wenn wir als Helden, Engel definiert wurden, während uns Plätze und Statuen gewidmet wurden.
Wir sind keine Gewinner, weil wir in diesen zwei Jahren den normalen außergewöhnlichen Charakter unseres Berufs neben dem Bürger zurückstellen mussten; wir mussten in ständiger Notlage arbeiten; wir wurden mehr und schlimmer krank als jede andere Kategorie; Wir haben Urlaub, Genehmigungen, Karriere- und Lebensprojekte aufgegeben.
Jetzt verlieren wir das Letzte, was uns noch geblieben ist: die Hoffnung.
Die Hoffnung auf ein Gesundheitswesen und eine Politik, die in der Lage sind, Wege zur Verbesserung des Pflegeberufs zu erkennen, mit einer angemessenen wirtschaftlichen Rendite und einem wirklich leistungsbasierten System.
Vom Entwurf des neuen Vertrages bis zum Haushaltsgesetz; von beruflichen Reformen bis hin zu akademischen und universitären Studiengängen scheint sich nichts in Richtung der mit Nachdruck und Entschlossenheit gestellten Forderungen unseres nationalen Verbandes verwirklichen zu wollen, der als untergeordnetes Organ des Staates immer einen ernsthaften und ruhigen Dialog mit den Institutionen geführt hat.
An dieser Stelle nehmen die Worte und Versprechungen der Politik ein spöttisches, ungerechtes, ja grausames Licht an. Ein unerträgliches Beil, das auf alle Krankenpfleger einschlägt, die immer noch an vorderster Front leidend das Gesundheitssystem am Laufen halten. Trotz, dass sie der Angriffe und Gewalt von einer feindlichen, verwirrten oder einfach nur verängstigten Partei ausgeliefert sind, die auf ihnen ihre Wut über den schwierigen historischen Moment abwälzen.
Italienische Krankenpflegern sind immer mit erhobenem Haupt durch Angst und Tod gegangen, aber heute treffen sie dank einer kurzsichtige Politik auf Misstrauen und Enttäuschung. Und das ist viel, viel schlimmer. Wenn dieses Land, und deren politischen Entscheidungsträger diesen Trend umkehren wollen, müssen sie es jetzt tun.
FNOPI kann nicht mehr nach einer Vermittlung suchen, die es nicht mehr lange gibt. Denn heute ist nichts von das passiert was angefordert und vor laufenden Kameras erklärt wurde.
So stirbt ein Beruf.
Dies verhindert die Rückkehr von in Italien ausgebildeten und im Ausland geschätzten Krankenpflegern. So werden der Schmerz und das Engagement Hunderttausender Menschenleben ignoriert.
Damit wird das Vertrauen der italienischen Bürger missbraucht.
Schlimmer als diese Krise ist nur das Drama, sie zu verschwenden, wie Papst Franziskus bekräftigt und die Regierung gerne wiederholt. Aber auf den Worten müssen Fakten folgen. Umgekehrt wird FNOPI eine einheitliche Antwort formulieren, unabhängig von Gewerkschafts- und Parteizugehörigkeiten, Rollen und Positionen.
Wir sind bereit, dass 456.000 Krankenpflegern Rechenschaft über all das verlangen, was nicht getan wurde. Mit der Ethik, die uns immer ausgezeichnet hat, aber mit der Verzweiflung, die uns jetzt erfasst.
Es ist immer noch möglich, eine Geschichte zu schreiben, die den Pflegekräften ihre Würde zurückgibt. Es gibt keine Zeit mehr zu verlieren.
17 Januar 2022
Die italienische Krankenpfleger
