Am 20. Februar 2021 wird der erste Nationale Tag der Gesundheits- und Sozialberufe und des Ehrenamts gefeiert.

Es ist ein besonderer Anlass für unseren Pflegeberuf, der seit Beginn der Pandemie in den Augen der Öffentlichkeit wie kein anderer für Empathie und Bürgernähe steht, nicht nur aufgrund der Betreuungsqualität, die man uns zu Recht anerkennt, sondern auch aus der Sicht der „Beziehungszeit“, die wir uns nehmen und die – wie unser Deontologischer Kodex bekanntlich festhält – in jeder Hinsicht auch Pflegezeit ist.

Diesen besonderen Anlass wollen wir zusammen mit anderen Berufsgruppen sowie mit den ehrenamtlichen Organisationen und mit allen Bürgerinnen und Bürgern feiern, denen wir uns nahe fühlen, die wir weiterhin pflegen und betreuen wollen, die wir nie im Stich lassen werden und mit denen uns immer eine enge Beziehung verbinden wird.

Bilder von „heldenhaften“ Krankenpflegerinnen und –pflegern wurden in den letzten Monaten von den Medien in der ganzen Welt verbreitet. Dabei wissen wir nur zu gut, wie sehr diese selbstlose Haltung den Kern unseres Berufes darstellt. Endlich werden wir als Fachkräfte wahrgenommen, die ohne großes Aufsehen, aber mit viel Knowhow, Hingabe und Einsatz kranken Menschen neben wissenschaftlich fundierten Pflegeleistungen auch menschliche Nähe zukommen lassen, die sonst vielerorts längst abhanden gekommen ist.

An diesem Tag gehen meine Gedanken zuallererst an jene Kolleginnen und Kollegen, die viel mehr geleistet haben, als es ihre berufliche Pflicht und Qualifikation verlangt hätten, und die ihr Leben lassen mussten, um ein Virus zu bekämpfen, das noch lange nicht besiegt ist und weiterhin unsere größte Aufmerksamkeit verdient. Ebenso denken wir an ihre Familien, denen niemand zurückgeben kann, was ihnen die Pandemie genommen hat, die aber sicher stolz auf ihre verstorbenen Angehörigen sind, die ihr eigenes Leben geopfert haben, um das Leben anderer Menschen zu retten.

Auch in dieser schwierigen Zeit haben wir gezeigt, wie sich der Pflegeberuf als das wahre Bindeglied zwischen Wissenschaft und Menschlichkeit versteht, indem wir Erstere ehren ohne Letztere je aus den Augen zu verlieren.

Allzu leicht wäre es, an einem solchen Anlass rhetorischen Floskeln zu frönen. Doch gerade unser Beruf und unser Einsatz brauchen keine leeren Worthülsen, denn jeden Tag liefern wir den konkreten, greifbaren Beweis dafür, was Krankenpfleger und -pflegerinnen tatsächlich leisten. Schließlich gehört es seit jeher zu unserem Erbgut, nicht nur Kranke zu pflegen, sondern auch uns unserer Mitmenschen mit all unseren Kräften anzunehmen.

Wir mussten so viele Nöte und Bedürfnisse erfüllen, alle möglichen Herausforderungen überwinden und uns in allen denkbaren Bereichen zurechtfinden. Dafür möchte ich Ihnen allen einen herzlichen Dank aussprechen, in meinem persönlichen Namen, im Namen des Dachverbandes, dem ich vorzusitzen die Ehre habe, und im Namen aller Institutionen. Endlich kommt auch von der Öffentlichkeit und den Behörden die Anerkennung für unseren Einsatz und langsam auch die Bereitschaft, strukturelle Verbesserungsmaßnahmen zu ergreifen. Daran wollen wir arbeiten, damit die erwünschten Neuerungen der konkreten Realität Rechnung tragen, die wir Tag für Tag in unserem Beruf erleben.

Der heutige Anlass darf aber nicht bloß ein Gedenktag sein, sondern es muss auch der Tag werden, an dem unsere Präsenz, Kompetenz, Beziehungsfähigkeit, Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft im Dienste der kranken Menschen und des Gesundheitswesens endlich die verdiente Anerkennung und Bestätigung erfahren. Gerade jetzt braucht unser Land diese Fähigkeiten mehr denn je. Wir wissen, dass sie seit jeher zu unserem Berufsbild gehören, und wir werden alles daran setzen, dass es für immer so bleibt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, unsere Zukunft liegt in unseren Händen. Sie hängt nicht von fremden Entscheidungen ab, sondern von dem, was wir bisher geleistet haben und weiterhin leisten werden.

Zum heutigen Anlass möchte ich Sie – auch über die Landeskammern – herzlich bitten, am 20. Februar – am Beginn Ihrer Arbeitsschicht – mit einer Schweigeminute aller Kolleginnen und Kollegen zu gedenken, die in der Erfüllung ihrer beruflichen Verpflichtungen verstorben sind. Damit wollen wir zeigen, wie ernst wir unsere Pflicht nehmen, aber auch wie groß unser Wille ist, anderen Menschen zu helfen. Selbstverständlich soll die Schweigeminute mit den jeweiligen Pflegebedürfnissen am eigenen Arbeitsplatz vereinbar sein, und ebenso selbstverständlich sollen dabei alle vorgesehenen Corona-Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

Besonders nahe fühlen wir uns natürlich allen Krankenpflegerinnen und –pflegern, die sich mit dem Virus nicht nur beruflich und menschlich auseinander gesetzt haben, sondern auch daran erkrankt sind.

Ebenso nahe fühlen wir uns allen Mitmenschen, denen Tag für Tag all unsere Kräfte und Bemühungen gelten.

Dass die Pandemie gerade unsere Berufsgruppe am schwersten belastet, hängt wohl damit zusammen, dass der unmittelbare Kontakt und die Nähe zu den Kranken ein ureigenes Merkmal unseres Berufes darstellen.

Wir sind leider noch meilenweit davon entfernt, die volle und verdiente Anerkennung für unsere Qualifikation und für deren exponentielles Wachstum in den letzten Jahren erhalten zu haben. Und trotzdem erbringen wir nach wie vor enorme Hilfeleistungen für alle Menschen, die in Not sind und um ihre Gesundheit bangen.

Denn eines dürfen wir niemals vergessen: Unser Beruf ist lebenswichtig, und ohne uns kann es keine Gesundheit geben.

2020 wollten wir – vor Ausbruch der Pandemie – den 200. Geburtstag der Gründerin der modernen Krankenpflege Florence Nightingale viel großzügiger feiern als es uns dann leider möglich war. Paradoxerweise zeigte sie sich dabei ganz wie eine richtige Krankenpflegerin einmal mehr bereit, selbstlos auf die wohlverdiente persönliche Ehre zu verzichten, damit ihre Kolleginnen und Kollegen sich der Gesundheit kranker Menschen annehmen konnten. „Pflege – schrieb sie einmal – ist eine Kunst und fordert, wenn sie eine Kunst werden soll, eine ebenso große Hingabe und Vorbereitung wie das Werk eines Malers oder Bildhauers. Denn was bedeutet die Arbeit an toter Leinwand oder kaltem Marmor im Vergleich zu der am lebendigen Körper, dem Tempel für den Geist Gottes? Deshalb gehört Pflege zu den schönen Künsten, ja sie ist sogar die schönste der schönen Künste.“

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir dürfen diese Worte nie vergessen, und wir können jederzeit stolz auf uns sein.

Die Präsidentin
Barbara Mangiacavalli

 

FNOPI – Nationaler Tag der Gesundheits- und Sozialberufe und des Ehrenamts